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7 Fakten über Heuschnupfen

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Was Sie immer schon mal wissen wollten: 7 Fakten über Heuschnupfen

Etwa 25 Millionen Deutsche leiden an einer Allergie, am häufigsten sind Reaktionen auf Blütenpollen. Für die Betroffenen beginnt jetzt die Hochsaison.

Dr. med. Jochen Niehus, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin II, Pneumologie, Allergologie und Beatmungsmedizin am Krankenhaus Bethel Berlin erklärt uns 7 Fakten zum Heuschnupfen. *)

Fakt Nr. 1: Kein Mensch kommt allergisch auf die Welt

„Ein Pollenallergiker wird quasi unschuldig geboren“, sagt Dr. Jochen Niehus. „Aber dann kommt sein Körper immer häufiger mit Allergenen, also körperfremden Eiweißen, in Kontakt, die in Pollen stecken.“ Eine bestimmte Zeit lang kann der Körper sie einfach ignorieren, doch er bildet immer mehr Antikörper gegen diese Eiweisse. Schließlich reagiert der Organismus mit einer übertriebenen Abwehrreaktion. „Antikörper und Allergene verbinden sich miteinander und setzen sich an die so genannten Mastzellen. Diese – mit Botenstoffen der Körperabwehr prall gefüllten – Zellen „explodieren“ dann und geben Stoffe wie das Histamin ab, die zum Beispiel Juckreiz und Schnupfen auslösen können. In den Atemwegen kann das Histamin auch zur Verengung der Bronchien und damit zu einem Asthmaanfall führen.“

Fakt Nr. 2: Die Anlagen für eine Allergie sind genetisch, aber nicht jeder erkrankt.

„Wenn beide Elternteile Heuschnupfen haben, geben sie die genetische Veranlagung zu 100 Prozent  an ihr Kind weiter“, erklärt der Experte. Doch nur 30 bis 40 Prozent dieser Kinder entwickeln eine Allergie. „Denn damit es zum Ausbruch kommt, müssen bestimmte Reaktionen im Körper ablaufen. Welche das genau sind, ist aber noch nicht geklärt.“

Fakt Nr. 3: Eine Pollenallergie kann sich auch erst im hohen Alter zeigen.

„Früher entwickelten vor allem jüngere Menschen einen Heuschnupfen. Heute sind mehr und mehr auch Ältere ab 50 oder 60 Jahren betroffen“, weiß Dr. Niehus. Viele machen dafür den modernen Lebensstil und die Umweltveränderungen verantwortlich. „Das ist auch tatsächlich sehr wahrscheinlich“, so der Allergologe. „Mögliche Faktoren sind unsere heutigen Ernährungsgewohnheiten mit industriell gefertigten Lebensmitteln und Südfrüchten oder der dichte Verkehr. Wir sind mittlerweile aber auch von viel mehr Menschen umgeben und haben deutlich mehr Stress. Diese Theorien sind bislang aber nur Vermutungen.“

Fakt Nr. 4: Mit einfachen Tests kann man überprüfen, ob eine Allergie vorliegt.

Die typischen Anzeichen für Heuschnupfen sind Kribbeln in der Nase oder juckende Augen, wässriger Schnupfen und oft eine unerklärliche Mattigkeit. Viele denken dabei zuerst an eine Erkältung. Doch tritt der Schnupfen jedes Jahr ganz plötzlich im Frühjahr oder Sommer auf und hält über Wochen an, sollte man eine Pollenallergie in Betracht ziehen. „Um die Symptome abzuklären, macht der Allergologe einen Hauttest“, sagt Dr. Jochen Niehus.

Beim so genannten Prick-Test piekst der Arzt verschiedene Allergene unter die Haut. Rötet sie sich und juckt, deutet dies auf eine Allergie hin. Allerdings sind die Ergebnisse manchmal nicht eindeutig. Dann kann man das Blut mit einem RAST-Test auf Immunglobulin-E-Antikörper, kurz IgE, untersuchen, die sich im Blut gegen die Antigene bilden. Sollte auch dies nicht eindeutig sein, kann man durch eine Provokation der Nasenschleimhaut mit dem Allergen eine allergische Reaktion auslösen.

Fakt Nr. 5: Vor allem Jüngere profitieren von einer Hyposensibiliserung.

Um die Ursachen einer Pollenallergie zu behandeln, gibt es aktuell nur ein Verfahren: die spezifische Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung genannt. Dabei wird das Immunsystem langsam umtrainiert, indem der Patient über Monate oder Jahre hinweg Spritzen mit dem Allergen bekommt, gegen das er allergisch ist. Dadurch lassen in 80 bis 90 Prozent der Fälle die Symptome nach, zum Teil haben die Betroffenen keinerlei Beschwerden mehr.

„Die Immuntherapie schlägt jedoch bei Jüngeren besser an und bei denen, die nur auf wenige Allergene reagieren“, weiß der Experte. Es gibt auch Varianten, bei denen die Wirkstoffe als Tropfen oder Tabletten genommen werden. Ein neuer Impfstoff gegen Gräserpollen, der auf einem anderen Wirkprinzip beruht als die klassische Hyposensibilisierung, soll 2021 zugelassen werden.

Fakt Nr. 6: Bleibt Heuschnupfen unbehandelt, kann auch die Lunge betroffen werden.

„Wer nur ganz leichte Symptome hat, die ihn im Alltag nicht einschränken, muss sich nicht unbedingt behandeln lassen“, sagt Dr. Niehus. „Allerdings kann sich aus einem unbehandelten Heuschnupfen Asthma entwickeln.“ Dann reagieren im Laufe der Zeit nicht mehr nur die Schleimhäute der Nase auf die Pollen, sondern auch die der Bronchien. Die Atemwege verengen sich, man bekommt schlechter Luft. Wird das Asthma chronisch, braucht es gar keinen allergischen Auslöser mehr für einen Anfall. Davor schützt nur eine frühzeitige Behandlung.

Fakt Nr. 7: Viele Betroffene leiden zusätzlich an Kreuzallergien.

Jeder zweite Pollenallergiker reagiert auch allergisch auf bestimmte Nahrungsmittel, weil die enthaltenen Eiweißsubstanzen denen der Pollen ähneln. Birkenpollenallergiker sind besonders häufig betroffen, ihr Körper reagiert zum Beispiel auch auf Nüsse und Äpfel und auf weiteres Kern- oder Steinobst. Leider können diese Beschwerden nur bei sehr wenigen Patienten durch eine Hyposensibilisierung beeinflusst werden.

*) Der Text des Interviews wurde uns freundlicherweise vom Bethel Krankenhaus Berlin für eine Veröffentlichung bei meetmedi zur Verfügung gestellt.

Bei weitergehendem Interesse empfehlen wir Ihnen den folgenden Fernsehbeitrag von rbb Praxis aus dem Jahr 2017.

Und hier geht es zum aktuellen Pollenflugkalender.

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